In einer zunehmend digitalisierten Welt sind leistungsfähige Rechenzentren essenziell für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit einer Wirtschaft. Sie ermöglichen die Speicherung und Verarbeitung riesiger Datenmengen oder treiben Innovationen in Schlüsselbranchen voran. Ihr Flächen- und Energiebedarf führt auch zu Kritik. Wie kann die Schweiz diesen systemrelevanten Infrastrukturen besser gerecht werden?
Data- und Rechenzentren sind für den Erfolg der Volkswirtschaft Schweiz aus mehreren Gründen unabdingbar. In einer zunehmend digitalisierten, wissensbasierten Welt sind Data- und Rechenzentren das Rückgrat für die Speicherung, Verarbeitung und den Austausch von Daten. Sie ermöglichen die Funktionalität von Cloud-Diensten, Big Data-Analysen, die Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet der Dinge (IoT), die allesamt Schlüsselfaktoren für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sind. Forschung und Entwicklung (F&E) in Bereichen wie Biotechnologie, Fintech oder auch der industriellen Automatisierung erfordern immense Rechenleistung und Datenspeicherung, die durch moderne Rechenzentren bereitgestellt werden. Rechenzentren ermöglichen es Unternehmen, grosse Mengen an Daten effizient zu verarbeiten, was zu einer besseren Entscheidungsfindung, Prozessoptimierung und Kostensenkung führt. Beispielhafte Projekte für diesen Typus sind der Green Metro Campus (Dielsdorf), Gen01A/Gen02A (Gland), das Equinix ZH2, 4 und 5 (Zürich) sowie das CSCS – Swiss National Supercomputing Centre in Lugano.
Schweizer Zuverlässigkeit und Präzision
Die Schweiz ist bekannt für ihre stabile und zuverlässige Infrastruktur, was sie zu einem attraktiven Standort für globale Unternehmen macht, die ihre Daten in sicheren, leistungsfähigen und vor allem von Störungen verschonten Rechenzentren speichern möchten. Die Schweiz hat strenge Datenschutzgesetze, die in Kombination mit hochsicheren Rechenzentren ein vertrauenswürdiges Umfeld für die Speicherung sensibler Daten schaffen. Dies ist besonders wichtig für den Banken- und Versicherungsstandort Schweiz, welcher einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz ist. Die Präsenz von hochmodernen Rechenzentren in der Schweiz zieht multinationale Unternehmen an, die zuverlässige und leistungsfähige IT-Infrastrukturen benötigen. Die Aufrechterhaltung von Geschäftskontinuität und die Unterstützung von Homeoffice- und Remote-Arbeitsmodellen in Pandemie- und Krisenzeiten tragen zur Resilienz des Wirtschaftssystems bei. Zusammengefasst bilden Data- und Rechenzentren die technische und wirtschaftliche Basis, die es der Schweiz ermöglicht, ihre Position als führender Wirtschaftsstandort in einer globalisierten, digitalen Welt zu behaupten.
Energie- und Flächenfresser oder Heilsbringer?
Data- und Rechenzentren haben gerade in politischen Kreisen den Ruf, schlicht und einfach Energie- und Flächenfresser mit tiefem Arbeitsplatzbesatz zu sein. Gleichzeitig benötigen sie eine gewisse Nähe zu Hauptzentren, damit die Datenleitungen nicht zu weit von den Endnutzern entfernt sind. Versuche und Bestrebungen, die Gebäudeteile im Untergrund oder als Teil von anderen Gebäudeteilen zu integrieren, scheitern an Aspekten der Wirtschaftlichkeit (Baukosten, Abwärme etc.) oder Sicherheit (Hochwassergefahr, Zugänglichkeit etc.). Bei solch einseitigen Diskussionen wird die Notwendigkeit von ausreichenden Rechenleistungen (Berechnungen wie Speicherung) sowie deren Vernetzung für den Aufbau neuer Technologien und dem Bestehen als Wissensgesellschaft zu wenig gewürdigt. Auch die Chancen einer Kopplung von Rechenzentren mit der Energie- und Wärmeversorgung im direkten Umfeld wird zu stark ausgeklammert. Mittlerweile können Rechenzentren vermehrt in Wärmeverbunde integriert werden, sodass bis zu 85% der Eingangsenergie wiederverwertet werden können, was auch kritische Gemeinden zum Umdenken verleitet. Moderne Rechenzentren in der Schweiz sind gerade auch deshalb oft Vorreiter in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.
Folgerungen für Anforderungen an Raumordnung und Standortförderung
Data- und Rechenzentren sollten vermehrt als Vorranggebiete im Sinne einer Positivplanung in den Planungsinstrumenten von Bund, Kantonen und Gemeinden priorisiert werdenen. Die Nähe zu Wirtschaftszentren (Reduktion Latenz) und Nutzern ist dabei zu sichern. Die Bereitstellung der notwendien Flächen für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg des Landes sollte eine besondere Honorierung erfahren. Allenfalls kann dies unterstützt werden durch eine Nichtberücksichtigung dieser Arealflächen in den kantonalen oder lokalen Kontingenten für Arbeitszonen.
Dieser Artikel beleuchtete Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätze von Data- und Rechenzentren für den Standort Schweiz. Mehr Überlegungen finden sich im Diskussionsbeitrag «Zukunft Arbeitszonenmanagement»: https://www.loc.ag/arbeitszonenmanagement

Comments